WJ besuchen Mühle Nicola

 

Die Holländermühle Nicola trug den ursprünglichen Namen „Margarethe“ und wurde im Jahre 1861 errichtet. Sie befand sich bis Mitte des vorigen Jahrhunderts im Betrieb, wurde dann aber durch die Verwendung von Industriemühlen überflüssig und somit erfolgte die endgültige Stilllegung im Jahr 1970. Die ungenutzte Mühle war dem Verfall ausgesetzt und sollte erst ab dem Jahr 2010 durch den Handwerksmeister Arnd Jansohn ein neues Leben erfahren.


Unsere Führung wurde begleitet zum einen von dem Mühlen-Experten Rüdiger Weiß und Initiator und jetzigen Müller Arnd Jansohn. Beide brachten uns mit Begeisterung und Leidenschaft “ihre“ Mühle näher. Und so verwundert es auch nicht, auf welch ebenso leidenschaftlichem Weg Arnd Jansohn innerhalb von nur fünf Wochen vom unbedachten Mühlen-Idee-Infizierten zum glühenden Eigentümer wurde.


Der Müller berichtet: „Oft waren wir über die Pfingsttage verreist, so aber nicht im Jahr 2010. Wir entschlossen uns, die Mühle in Bargum im Rahmen des Mühlentages zu besichtigen und waren sehr überrascht, dass wir den Besitzer dieser Mühle sogar schon seit einigen Jahren kannten, aber nie über seine Mühle gesprochen haben. In einem Rundgang wurden wir sehr fachkundig über alles informiert. Keine Frage blieb offen. Von da an waren wir mit dem „Mühlen-Virus“ infiziert, zumal mein Großvater auch noch Müllermeister in Ostpreußen war. Wieder zu Hause angekommen, ließ mich der Gedanke nicht mehr los: Ich wollte eine Mühle! Kurzerhand machten wir uns auf die Suche nach einer Mühle, die zum Verkauf stand. Ich wandte mich an den Schleswig-Holsteinischen Mühlenverein, wurde da aber zunächst nicht ernst genommen. Ich ließ nicht locker, und schließlich machte man mich auf die verfallene Holländermühle „Margarethe“ in Legan aufmerksam. Mit dem Eigentümer war ich mir schnell einig und wurde so zum Mühlenbesitzer. Das ganze hatte nur ca. 5 Wochen gedauert.“


Aber wie ging es nun weiter? Die Mühle sollte restauriert werden und ein neues zu Hause erhalten. Geeignete Firmen wurden kontaktiert und beauftragt. Nach einigem Hin und Her und bürokratischen Hürden wurde ein passendes Grundstück an der Schlei in Schleswig gefunden. Die Mühle wurde nun demontiert, nach Holland zur Aufarbeitung transportiert, dann in Schleswig wieder zusammengebaut und schließlich 2013 errichtet. Parallel zum Wiederaufbau der historischen Mühle ließ sich Arnd Jansohn in alter Tradition zum Müller ausbilden. Währenddessen wurde die Mühle zum Zwecke der Allgemeinheit in eine Stiftung überführt, die es sich zur Aufgabe macht, das historische Kulturdenkmal als „funktionierendes Museum“ der Öffentlichkeit zu erhalten und zugänglich zu machen. All dies wurde ausschließlich aus privaten Mitteln von Arnd Jansohn finanziert, ohne jegliche öffentliche Gelder! 2015, passend zum Mühlentag am Pfingstmontag, konnte dann endlich die Eröffnung gefeiert werden. Seitdem ist Müller Jansohn voller Tatendrang und mahlt stetig in Abhängigkeit von Wind und Wetter hochwertiges ökologisches Mehl. Es erfreut sich großer Beliebtheit bei umliegenden Bäckern und Direktkunden. Und zwar so gut, dass das ursprünglich als Renten-Hobby gedachte Müllern, sich nun mittlerweile zum Vollzeitjob entwickelt hat.


Auch wir waren fasziniert vom Zusammenspiel aus Mechanik, Holz und Windkraft und konnten dies hautnah erleben. Wir danken Arnd Jansohn und Rüdiger Weiß für die lebendige und kurzweilige Führung, wünschen immer „Gut Wind“ für die Flügel der Mühle und freuen uns, dass ein Unternehmer aus unserer Region ein solches Denkmal für die Allgemeinheit geschaffen hat.


Und warum heißt die Mühle nun „Nicola“? Der Mühlenerbauer nennt seine Mühle stehts nach seiner Herzdame.


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Boris Reimann